„Sie Machen Den Leuten Angst“

Zahlen sind aber nicht dazu da, eine Politik der Angst zu legitimieren. In der taz berichten einige der Beschäftigten, dass sie ernsthaft an einen Berufswechsel denken. Zahlen sind nicht dazu da, unser Denken zu zementieren, sondern sie sollen uns bei der Strukturierung der Wirklichkeit helfen. Das Denken in Sprecherpositionen ist also seit je selbstverständlich. Wenn sich zwei Sprecherpositionen (früher nannte man sie: Interessen) in ihren politischen Zielen entgegengesetzt sind, können sie trotzdem dieselben Inhalte verkünden: Das Publikum wird ihre Worte schon zu deuten wissen, nämlich qua des jeweiligen Interesses. Ob dies eine Gefahr anzeigt ist unbekannt, denn hier liegt eine „Messung ohne Kalibrierung“ vor: Es hat noch nie eine derartige Massentestung der Bevölkerung auf irgendeinen Grippevirus hin gegeben, dadurch, dass wir keinen, ob das Ansteigen der Verbreitung von Grippeviren nicht völlig normal ist. Wenn solche Träume zur Voraussetzung von politischer und menschlicher Normalität erklärt werden, dann erzwingt man Lügen und Täuschungen: Wenn kein sicherer Impfstoff gefunden werden kann, dann wird man irgendeinen Impfstoff als sicher erklären müssen.

Die einschränkenden Maßnahmen sollten erst enden, wenn ein Impfstoff vorläge. Die Ankündigung, dass wir unsere Rechte und Freiheiten erst wiederbekommen, wenn ein Impfstoff vorhanden ist, ist in einer Demokratie eine bislang nicht denkbare Unverschämtheit. Auch in diesem Sinne ist es sinnvoll, von mehreren Todesursachen gleichzeitig zu sprechen: Wenn jemand 5 Krankheiten hat, dann kann es sein, dass er nicht gestorben wäre, wenn’s ein einziger weniger gewesen wäre – nämlich egal welche der fünf. Wenn beispielsweise Metalle anziehen, trifft das zunächst die metallverarbeitenden Unternehmen. Dann könnten die Preise in einigen Bereichen steigen, wenn „eine vorübergehend größere Nachfrage auf ein begrenztes Angebot“ trifft. Doch wenn sie für bessere Arbeitsbedingungen das Haus verlassen, ist es mit die Sympathie für die Care-Arbeiterinnen und -arbeiter Eintagsfliege. Im Zusammenhang mit die normalen Grippe-Prävention ist die mathematische Modellierung eines mit Grippe Gestorbenen als an Grippe gestorben also sinnvoll zufolge dessen, dass man das Problemfeld ja irgendwie pragmatisch abstecken muss. Sie schätzt permanent ab, wie viele Menschen „durch“ Grippe sterben. Im RKI gibt es eine dauerhafte Arbeitsgruppe zur Grippe. Das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht deshalb von „Todesfällen in Zusammenhang mit Covid-19-Erkrankungen“, was unpräzise formuliert ist, weil das Vorhandensein des Sars-Cov-2-Virus ja oftmals partout nicht zur Covid-19-Erkrankung führt.

Idealistisch im Marx’schen Sinne, also dumm, ist das Sprecherposition-Argument, wenn es Dummheiten verteidigen will, bloß weil sie von einer bestimmten (und sei’s unterdrückten) Person oder Gruppe geäußert werden. Hält man, wie Bloch, eine Person für falsch (also im falschen Zusammenhang befindlich, als extern, oder ein doppeltes Spiel spielend, heuchelnd), wird zwar dem Inhalt ihres Satzes, sofern er denn zutrifft, Wahrheit bescheinigt, aber das Verhältnis des Aussagenden zu dieser Wahrheit des ausgesagten Satzes erscheint dann als unrichtig. Ich will in keinster Weise sagen, dass die Politik nichts unternommen hätte, um dem Personalmangel zu begegnen, aber es war einfach zu wenig. Ein Anhang zum Oslo-Abkommen von 1994 besagt, dass nur 42 palästinensische Reiseführer diese Genehmigung bekommen sollen. Richtigkeit ist bis zum Gehtnichtmehr eine bloße abstrakte Wahrheit; sie besagt, ob die Wahrheit auch auf die konkrete Situation anwendbar – pragmatisch – bleibt – ob sie passt. Wenn man sie von Nahem ansieht, dann sieht man, in welch komfortablen Situation wir sind.

Politisch ist die Situation von Hilflosigkeit und Lagerbeton gekennzeichnet. Seit Jahr und Tag existiert ein bürgerlicher, liberaler Aktivismus, der Sätze nicht danach beurteilt, ob deren Inhalt wahr ist, sondern ob einem der Aussagende sympathisch ist, welches Interesse er vertritt. Auch aufmerksamkeitsökonomisch: Ist die Zahl der Besucher der heutigen Online-Pressekonferenz der Unicef auf Twitter dafür ein Indiz, so ist das öffentliche Interesse kläglich. Es herrscht die Palästinensische Autonomiebehörde dazu aufgefordert zu reagieren und die Zahl der israelischen Reiseführer hier zu Lande ebenfalls zu beschränken. Viele wurden an der Grenze abgewiesen aus dem einfachen Grund, dass sie zu uns kommen wollten. Rafat Shomali: Ja, die Gruppen wollen auch nach Nazareth und Tiberias, wofür wir israelische Busse nutzen müssen. Pippi-Langstrumpf-Büchern, deren Übersetzungen einer modernen, nicht mehr rassistischen Sprache angeglichen werden, sicherlich nicht das Problem, zu dem es die rechten Aufgeregten machen wollen. In Beit Sahour speziell empfangen wir häufig Gemeindegruppen, die bei palästinensischen Gastfamilien übernachten wollen. Interview mit Rafat Shomali, christlicher Palästinenser aus Beit Sahour. Die israelische Siedlung Har Homa, hier nebenan, gebaut auf dem Lande von Beit Sahour, hat immer und unlimitiert Zugang zu Wasser.